Jun 23, 2017 Last Updated 10:10 AM, Dec 12, 2016

Was sind die Hauptargumente der BAWAG P.S.K. in de…

Die Stadt Linz hat ein Geschäft zur Optimierung ihrer Zinslast gewünscht – und keine bloße „Absicherung“. Das gewählte O...

Gibt es noch Chancen auf einen Vergleich?

Die BAWAG P.S.K.  ist weiterhin an einer außergerichtlichen Einigung mit der Stadt Linz interessiert, aber auch  – wenn ...

Was geschah nach dem Abschluss?

Nach anfänglicher positiver Entwicklung, aus der der Stadt Linz CHF-Erträge aus dem Swap 4175 zugeflossen sind (in den J...

Wieso wurde die Stadt Linz aufgefordert, Aufsichts…

"Das höchste Bankprodukt das ich kenne, ist ein Bausparvertrag oder ein Sparbuch", so verantwortete sich  Johann Mayr En...

Hatte die Stadt Linz die Möglichkeit, aus dem Swap…

Ja, die Stadt Linz hatte zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit, auf die Marktentwicklung zu reagieren. Die Stadt Linz ist z...

Wie funktionierte Swap 4175?

Die BAWAG P.S.K. übernahm das Zinsrisiko für die Frankenanleihe bis zum sogenannten „Strike“ bei einem Kurs von 1,54 zum...

Worum geht es beim Swap 4175?

Die Stadt Linz hatte 2005 eine Anleihe in CHF in der Höhe von 195 Mio. begeben und musste halbjährlich für diesen Betrag...

War die Stadt Linz über die Entwicklung des Swap 4…

Die Stadt Linz war laufend über die Entwicklung des Swap 4175 informiert und zum Handeln eingeladen. Es gab ab Abschluss...

Warum entschlägt sich der ehemalige Finanzdirektor…

Die Stadt Linz führt seit Februar 2012 ein Disziplinarverfahren gegen Werner Penn wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Doku...

Hat die Stadt Linz den Swap nicht verstanden?

Die wechselseitigen Zahlungsverpflichtungen aus dem Swap 4175 konnten zu jedem Zeitpunkt für jedes Kursniveau errechnet ...

Wozu ein Swap?

Zur Finanzierung des öffentlichen Haushaltes hat die Stadt Linz im Jahr 2005 eine Anleihe begeben. Oder in anderen Worten: Linz hat sich am Kapitalmarkt Geld ausgeborgt. Insgesamt 195 Millionen Schweizer Franken. Ein Routinevorgang für die Stadt Linz, die seit vielen Jahren Schulden in Schweizer Franken aufnahm. Im Grunde genommen handelt es sich dabei um einen Fremdwährungskredit, wie ihn auch viele Privatpersonen aufnehmen. Und wie auch jede Privatperson oder jedes Unternehmen musste auch die Stadt Linz für diesen Kredit Zinsen zahlen. Und zwar sehr hohe Zinsen. Um den Zinsaufwand zu reduzieren, begann die Stadt Linz Finanztermingeschäfte einzugehen. Wie bei einer Versicherung muss für solche Geschäfte eine Prämie bezahlt werden. Der damalige Finanzdirektor der Stadt Linz, Werner Penn, analysierte das Thema eingehend und kam in einem Schreiben vom 11.8.2006 zu folgendem Schluss:  „Da die Prämienhöhe beträchtlich ist, soll durch Gegengeschäfte (= Übernahme von Risiken), aus denen Prämien eingenommen werden, eine Reduktion des Prämienaufwandes erreicht werden.“ In anderen Worten: Durch Finanzderivatgeschäfte, also die „Übernahme von Risiken“, sollte auf dem Kapitalmarkt Geld verdient werden, mit dem die Zinsen für die Anleihe zu bedienen wären. Eine Vorgangsweise, die übrigens zahlreiche Kommunen gewählt haben, um ihre Schulden zu managen. Die Stadt Linz kontaktierte mehrere Banken und ließ sich Angebote für Swaps vorlegen.

Wie funktionierte Swap 4175?

Der von der Finanzdirektion Linz aktiv nachgefragte Swap funktionierte folgendermaßen: Blieb der Euro gegenüber dem Schweizer Franken stark (konkret: über einem Kurs von 1,54 Schweizer Franken), dann sollte die Bank eine Prämie in Höhe der Zinsbelastungen für die Frankenanliehe an die Stadt Linz überweisen. Verlor der Euro an Wert (eben unter jenen Kurs von 1,54 Schweizer Franken), musste die Stadt Linz zahlen. Die Schwelle von 1,54, den so genannten Strike, setzte die Stadt Linz fest. Für diesen Swap musste die Stadt Linz kein eigenes Kapital einsetzen. Würde sich das Wechselkursverhältnis drastisch eintrüben, konnte man immer noch die Reißleine ziehen. Das funktionierte in den ersten Jahren tadellos – für die Stadt Linz. Der Euro-Franken-Kurs bewegte sich im vereinbarten Rahmen und die BAWAG P.S.K. zahlte vertragsgemäß Prämien. Insgesamt kassierte die Stadt Linz zwischen 2007 und 2009 mehr als zehn Millionen Schweizer Franken aus dem Swap 4175. 

Was geschah dann?

Dann geschah das Unvorhersehbare: Mit dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise und der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 geriet auch die Eurozone schwer unter Druck. Anleger flüchteten in den Schweizer Franken, der als „sicherer Hafen“ betrachtet wurde. Der Schweizer Franken legte deutlich an Wert zu. Bereits Monate zuvor hatte die BAWAG P.S.K. der Stadt Linz Angebote zum Ausstieg und zur Absicherung des Swap 4175 gemacht. Und es gab laufend weitere solcher Vorschläge. Obwohl die weltweite Finanzkrise sich bereits spürbar auf den Euro-Franken-Kurs ausgewirkt hatte, war der für die Stadt Linz relevante Kurs von 1,54 Schweizer Franken für den Euro noch nicht unterschritten. Erst im Oktober 2009 – mehr als zwei Jahre nach dem ersten Ausstiegsangebot durch die BAWAG P.S.K. – trat für die Stadt Linz zum ersten Mal eine Zahlungsverpflichtung (rund 1,5 Millionen Euro) ein. Gemessen an den zuvor eingestreiften Gewinnen war die Stadt Linz immer noch deutlich im Plus.

Trotz der anhaltenden Verwerfungen auf den Finanzmärkten, war für die Stadt Linz der Saldo aus dem Swap 4175 bis April 2010 positiv. Zwischen 2007 und 2011 erhielt die Stadt Linz mehr als 20 Vorschläge zur Umstrukturierung des Swaps – keinem Einzigen wurde nähergetreten.

Aktiv wurde die Stadt Linz erst im Oktober 2011: Sie weigerte sich ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen und beging somit Vertragsbruch. Die Kosten, die der BAWAG P.S.K. aus der Auflösung des Swap 4175 entstanden sind, belaufen sich auf 417,7 Millionen Euro.